
Denken lässt sich abschalten.
Es gibt diese Tage, da arbeitest Du acht Stunden und denkst dabei vielleicht zehn Minuten. Alles andere läuft einfach, Du machst es richtig, Du machst es schnell, und am Abend weißt Du, dass Du viel geschafft hast.
Und irgendwo dazwischen lagen diese zehn Minuten, in denen Du wirklich gedacht hast. Die fühlen sich anders an als der Rest, und an die erinnerst Du Dich sogar noch, wenn Du kurz nachschaust.

Bei mir war das letzte Woche ein Donnerstagabend, kurz nach zehn.
Eine Maschine bei uns im Haus wollte etwas wissen, nämlich ob man einer KI das Denken abstellen kann, so einer, wie Du sie auch benutzt. Ich habe ein schwarzes Fenster aufgemacht, einen einzigen Befehl getippt, die Antwort kopiert und weitergegeben. Ein eigenes Wort habe ich gar keines dazu geschrieben, es war spät.
In dieser Antwort stand eine Zeile, ganz ruhig und ohne Aufhebens.
Sie sagt: Denken an oder aus. Ab Werk an.

Was da steht, ist eine Entscheidung.
Irgendwo sitzt ein Mensch, der festgelegt hat, wie dieser Schalter ab Werk steht. Bei jeder KI, mit der Du arbeitest, hat das jemand getan, und Du hast seine Einstellung an dem Tag übernommen, an dem Du sie das erste Mal geöffnet hast.
Bei dieser hier steht er auf AN, und das ist eine gute Nachricht. Spannend wird der Tag, an dem ihn jemand umlegt, weil es schneller geht, und alle arbeiten einfach weiter.

Und bevor Du das jetzt zu weit trägst: bei einer KI heißt „Denken“ etwas sehr Kleines. Sie schreibt sich vor der Antwort ein paar Zeilen, in denen sie die Sache sortiert. Mehr ist es zunächst.
Bei Dir ist Denken Dein Leben.
Und trotzdem gibt es bei Dir etwas Ähnliches, nur dass es bei Dir mitwächst. Deins stellt sich jeden Tag ein bisschen neu, durch das, wie Du arbeitest und wie Du lebst, und meistens passiert das im Vorbeigehen, wenn es gerade eilt.

Zwei Tage lang ist mir diese Zeile entgangen, dabei hatte ich sie selbst in der Hand. Gesehen habe ich sie erst, als sie mir jemand geordnet zurückgelegt hat, und diesmal war das eine Maschine.
Gedacht habe ich selber. Sie hat mir nur hingelegt, was ich gemessen hatte, so dass ich es sehen konnte.
Und jetzt Du: wann war Dein Denken heute an?
Schreib es mir.
Zuerst erschienen im Newsletter „KI & Menschlichkeit“.