Was passiert, wenn du aufhörst.

Vor zwei Wochen habe ich euch eine Frage gestellt.

Trägst du noch - oder funktionierst du nur?

Ich habe gesagt: Du musst mir nicht antworten. Lass die Frage stehen.

Viele von euch haben trotzdem geantwortet. In den Kommentaren. In Nachrichten. Manche mit Worten, manche mit einer Stille, die lauter war als jeder Satz.

Heute will ich euch erzählen, was in den zwei Monaten davor passiert ist. In der Zeit, in der ich geschwiegen habe. Nicht was ich gedacht habe, das habe ich beim letzten Mal erzählt. Sondern was die Stille getan hat.

Stille tut etwas. Das ist das Erste, was man lernt, wenn man aufhört.

Wir denken, Stille ist Abwesenheit. Nichts passiert. Nichts entsteht. Nichts bewegt sich.

Das Gegenteil stimmt.

In den ersten Tagen war es unangenehm. Montag kam, und ich schrieb keinen Newsletter. Dienstag kam, und ich machte keinen Post. Es fühlte sich an wie Versagen. Als würde ich meinen Teil nicht liefern.

Dann, nach ungefähr zwei Wochen, passierte etwas Merkwürdiges: Das Gefühl hörte auf. Und an seiner Stelle kam eine Frage, die ich mir seit Jahren nicht gestellt hatte:

Für wen mache ich das eigentlich?

Halt.

Nicht weiterlesen. Noch nicht. Lies den Satz noch einmal. Aber diesmal nicht mit den Augen und mit dem Brustkorb. Wo spürst du ihn? Was zieht sich zusammen? Was wird still?

Jetzt weiter.

Schreibe ich, weil ich etwas zu sagen habe? Oder schreibe ich, weil Montag ist und Montag Newsletter-Tag ist?

Führe ich ein Gespräch? Oder bediene ich einen Algorithmus?

Das klingt hart. Ist es auch. Weil die ehrliche Antwort nicht die war, die ich hören wollte.

Das klingt hart. Ist es auch. Weil die ehrliche Antwort nicht die war, die ich hören wollte.

Irgendwann in den dreißig Ausgaben des letzten Jahres hatte sich etwas verschoben. Unmerklich. Schleichend. Der Rhythmus wurde zum Zwang. Die Routine wurde zur Last. Und ich merkte es nicht - weil ja alles LIEF.

Kennt ihr das? Bei euch in der Firma, in eurem Team, in eurer Führung?

Alles läuft. Die Zahlen stimmen. Die Meetings finden statt. Die Projekte werden abgeschlossen. Und trotzdem spürt irgendjemand, meistens der, der am stillsten ist, dass etwas fehlt.

Die Stille hat mir drei Dinge gezeigt. Ausnahmnsweise mal kein Theorien und auch keine Frameworks. Drei Erfahrungen.

Die erste: Geschwindigkeit ist das beste Versteck.

Solange du schnell bist, fragt niemand wohin. Auch du nicht. Du rennst, du lieferst, du postest, du reagierst. Und das Rennen selbst fühlt sich an wie Richtung.

Aber:

Tempo ist keine Richtung. Tempo ist Tempo.

Als ich aufhörte zu rennen, stand ich da. Und musste mich fragen: Wohin eigentlich? Nicht die große Frage. Die kleine. Die konkrete: Was will ich mit dieser Arbeit bewirken? Nicht erreichen mir gehts inzwischen ums bewirken.

Die wichtigsten Gespräche finden ohne Worte statt.

In den zwei Monaten Stille habe ich mehr mit Manuela gesprochen als in den Monaten davor. Nicht weil wir mehr Zeit hatten.

Wenn du den ganzen Tag Content produzierst, Gedanken formulierst, Sätze schleifst und dann ist abends nichts mehr da. Nicht für die Menschen, die neben dir stehen. Die Worte sind aufgebraucht. Du hast sie verschenkt. An einen Bildschirm.

In der Stille kamen die Gespräche zurück. Nicht die lauten, strategischen. Die leisen. Die über das, was noch kommen will.

Manuela hat in dieser Zeit etwas gesagt, das mich nicht mehr loslässt.

Manuela Roth

"Ich war letzte Woche in einem Büro. Neubau. Alles vom Architekten durchgeplant. Jede Wand, jedes Möbel, jede Leuchte und alles aufeinander abgestimmt. Perfekt.

Und weißt du, was gefehlt hat?

Nichts.

Buchstäblich: Es fehlte das Nichts. Jede Ecke war gestaltet. Jeder Quadratmeter verplant. Es gab keinen einzigen Ort, an dem man einfach nur sein konnte, ohne dass der Raum einem sagte, was man tun soll.

Ich habe dem Geschäftsführer gesagt: Du hast einen perfekten Raum gebaut. Aber du hast vergessen, Platz zu lassen. Für das, was noch kommen will."

— Stille —

Die dritte Erfahrung ist die unbequemste.

Niemand hat mich vermisst.

Die Welt hat sich weitergedreht. Mein Newsletter kam nicht, und nichts ist passiert. Kein Anruf. Keine Krise. Kein Zusammenbruch.

Und das, ja genau das - dasv war das Beste, was mir passieren konnte.

Weil mir klar wurde, dass ich gar nicht liefern muss. Dass die Maschine mich nicht braucht. Dass der Algorithmus nicht wartet.

Niemand wartet. Aber: Manche sind noch da. Nicht weil du geliefert hast. Sondern weil du etwas mitbringst, das nur in der Stille wachsen konnte.

Ich weiß jetzt, warum ich wieder schreibe.

Nicht weil Montag ist. Nicht weil LinkedIn das will. Nicht weil 3.300 Menschen abonniert haben.

Vielmehr weil die Stille nicht leer war. Sie war voll. Und was darin gewachsen ist, musste raus.

Stille ist keine Pause. Stille ist ein Raum. Und in diesem Raum wächst, was im Lärm nicht wachsen kann.

Meine Frage an dich, wenn du magst:

Wann hast du das letzte Mal Platz gelassen?

In deinem Kalender. In deinem Kopf. In deinem Team.

Um zu hören, was kommen will.

Volker

— ◆ —

MARKEN-LEBENSZEICHEN

Stille ist kein Luxus. Stille ist Führung.

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Herzlichst, Volker

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